Das neue Buch des Sozialwissenschaftlers Dr. Thomas Tartsch mahnt eine Neuorientierung der bisherigen Islamdebatte an


Das neue Buch des Sozialwissenschaftlers Dr. Thomas Tartsch „Muhammads Erbe: Dschihad, Dhimmi, Tötungs- und Bekämpfungsvers“ mahnt eine Neuorientierung der bisherigen Islamdebatte an, die sich neben der Pflege und Verfestigung von Ressentiments verschiedener Akteursgruppen primär in einen Streit um die Wortbedeutung der Grundgesamtheit „Islam“ erschöpft hat.

Dieser Streit um Worte bedingt eine oberflächliche Diskussion ohne Nutzwert und daraus ableitbaren Handlungsmaximen. Vielmehr werden nicht einmal in Ansätzen die teilweise grundlegenden und durch die islamische Historie begründeten Unterschiede zwischen „dem Islam“ und den anderen monotheistischen Religionen thematisiert, die auch die Grundlage für die im zweiten Teil des Buches behandelnden Begriffe „Dschihad“ und „Dhimmi“ bilden. Vielmehr sollte gefragt werden: „Was kann Islam sein?“, um darauf aufbauend die Frage zu beantworten: Kann „der Islam“ integriert werden?
Anstatt apodiktisch von einem die Religion „Islam“ missbrauchenden „Islamismus“ zu sprechen, sollte man nach Dr. Tartsch die Grundgesamtheit „Islam“ entweder als Religion in Form eines durch Riten und Symbole vermittelten Welterklärungsversuchs und eine individuelle Spiritualerfahrung auf der einen Seite und auf der anderen Seite als eine direkt von Allah stammende, die ganze Existenz überformende, den Einzelnen und die Gesellschaft total vereinnahmende Handlungsanweisung mit universellem Geltungs- und Regelungsanspruch definieren.
Diese Handlungsanweisung basiert auf der Scharia, als das von Allah den Muslimen auferlegte Gesetz, welches diesen in Form des Koran und der Prophetentradition (Sunna) auferlegt wurde und als umfassendes Normen- und Wertesystem die Grundlage einer ganzheitlichen islamischen Lebensweise (Din) bildet.
Hierbei beinhaltet die Scharia einen allgemeinen Geltungs- und Regelungsanspruch von der persönlichen bis zur staatlichen Sphäre, da die immer angeführten Grenzüberschreitungs-Delikte (Hudud-Delikte) des islamischen Strafrechts nur einen kleinen Teilausschnitt aus der Gesamtheit Scharia darstellt, die sowohl die Ritenpraxis (Ibadat), als auch die rechtlichen Beziehungen und moralischen Vorschriften (Muamalat) umfasst.
Letztere Ausformung als die Existenz überformende Handlungsanweisung kann ein Gewalt- und Konfliktpotenzial enthalten, welches sich gleichermaßen gegen Nichtmuslime, Muslime anderer Glaubensrichtungen, säkular ausgerichtete Muslime und Exmuslime richtet und nicht zu integrieren ist.
So der unter jugendlichen Muslimen und Konvertiten an Anhängern gewinnende, militant ausgerichtete salafitische Islam, der eine von Unglauben „gereinigte“, am madinensischen Urmodell orientierte und von der Scharia regierte islamische Gemeinschaft verwirklichen will, wobei von einigen salafitischen Gruppen auch die Reanimierung eines globalen Chalifates angestrebt wird.
Während die individuelle Spiritualerfahrung im persönlichen Rahmen der Ritenpraxis der fünf Pfeiler des Islam weitgehend unproblematisch und damit mit der freiheitlich-pluralistischen westlichen Werteordnung vereinbar ist, richtet sich die andere Ausformung, etwa in Gestalt der ideologisch aufgeladenen Spielart des „Islamismus“ in der Neuzeit als Reaktion auf die 1924 erfolgte Abschaffung des Chalifates durch Atatürk, gegen grundlegende Werte- und Normenstrukturen der westlichen Gesellschaften, die langfristig in eine auf der Scharia errichtete Nomokratie umgewandelt werden sollen.
Gleichzeitig spiegelt sich in der Frage der Integrationsfähigkeit „des Islam“ die ungelöste Frage innerhalb der Aufnahmegesellschaft, in was integriert werden soll.
Vielmehr bestehen keine klaren Vorstellungen und erst recht kein Konsens darüber, was „Integration“ für die Gesellschaft und die konkreten Lebenswelten der Menschen bedeuten soll (Dr. Johannes Kandel).
Dr. Tartsch vertritt demgegenüber ein voluntaristisches Modell von Integration jenseits der Forderung nach einer „multikulturellen Gesellschaft“ oder der tautologischen Forderung einer „Leitkultur“, da erstere primär ein die gesellschaftliche Fragmentierung förderndes politisches Programm darstellt und jede Gesellschaft nach der lateinischen Wortbedeutung von Kultur multikulturell zusammengesetzt ist (Stichwort: Regionalität mit spezifisch geltenden und leitenden kulturellen Handlungs- und Wertemustern).
Vielmehr kann in Nachfolge des „Böckenförde Diktum“ vom freiheitlichen, säkularisierten Staat, der von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann, Integration nur durch eine die Gesamtgesellschaft überformende und allgemein geteilte „relative Gemeinsamkeit“ erreicht werden, die der sich ausweitenden Fragmentierung der Gesellschaft aufgrund ökonomisch-sozialer und ethnisch-religiöser Ursachen zumindest entgegenwirken kann.
Hier ist nach Dr. Tartsch zu fragen, welche Rolle die religiös-ethnisch und politisch heterogen ausgerichteten islamischen Dachverbände und Spitzenorganisationen als aggregierte Werte- und Interessengemeinschaften spielen, die sich im öffentlichen Diskurs als Mittler zwischen „den Muslimen“ und den politischen, kirchlichen, sozialen und publizistischen Führungsschichten im bisher geführten „Dialog“ geben.
Im zweiten Teil des als Einführung und Übersicht konzipierten Buches werden unter anderem in konzentrierter Form grundlegende Lehren im sunnitischen Islam über den Dschihad und den rechtlich minderen Dhimmi Status von Nichtmuslimen unter islamischer Herrschaft vermittelt, da selbst der überwiegende Teil der im Westen lebenden Muslime diese Lehren nicht kennt. Ebenso sollen falsche Vorstellungen, wie etwa die Bedeutung von Dschihad als „Heiliger Krieg“, revidiert werden.
Beide Begrifflichkeiten finden ihre Legitimation im „Tötungs-„ und „Bekämpfungsvers“ in der neunten surat(u) t-tawbah im Koran [9:5 u. 9:29], die durch islamische Juristen in der Zeit islamischer Expansion rechtlich in Form gegossen wurden und zur Siyar, dem islamischen Kriegs- und Fremdenrecht gezählt werden, welches zum rechtlichen Teil der Scharia gehört.
Aufgrund der anhaltenden Wirkmächtigkeit dieser Lehren für einen Teil der Muslime kann hier von „Muhammads Erbe“ bezüglich Dschihad und Dhimmi gesprochen werden.
So verdeutlichen die Entwicklungen in Ägypten nach der Ära Husni Mubarak, die derzeit eine zunehmende Verfolgung der koptischen Christen mit sich bringt, die als rechtlich mindere Dhimmi leben müssen, die Aktualität des Buches, welches dem im Juli 2010 verstorbenen Orientalisten Dr. Rainer Glagow gewidmet ist.

Das Buch:

„Muhammads Erbe: Dschihad, Dhimmi, Tötungs- und Bekämpfungsvers“
Gehenna Buchverlag Thomas Tartsch, Datteln
ISBN 13: 978-3-941147-04-1
Paperback, 116 Seiten
Preis: 7,90 EUR

Leseprobe:

http://www.suchbuch.de/leseproben/politik_gesellschaft/muhammads_erbe/26…

Der Autor:

Thomas Tartsch
Dr. rer. soc. und Dipl. Soz.-Wiss.
Arbeitsgebiete:
Counterterrorism, Counterinsurgency, Politikberatung
Interessenschwerpunkt:
Das islamische Kriegs- und Fremdenrecht (Siyar)

PressekontaktDr. Thomas Tartsch
Gehenna Buchverlag Thomas Tartsch
Am Mühlenbach 17
D-45711 Datteln
Mail: gehenna@email.de
Tel.:             +49(0)1515-1924610
Webseite: http://gehenna-buchverlag.de.tl
UnternehmensdarstellungDer im April 2008 gegründete Gehenna Buchverlag Thomas Tartsch hat es sich zum Ziel gesetzt, durch seine Buchveröffentlichungen zu gesellschaftlichen und politischen Themen unabhängige Standpunkte zu verteten.


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Veröffentlicht in Allgemein. 1 Comment »

Eine Antwort to “Das neue Buch des Sozialwissenschaftlers Dr. Thomas Tartsch mahnt eine Neuorientierung der bisherigen Islamdebatte an”

  1. Dr. Tartsch: “Heute gelten die Kopten noch als Dhimmis”! « kopten ohne grenzen Says:

    […] zu gesellschaftlichen und politischen Themen unabhängige Standpunkte zu verteten. {Quelle: wirinherten.wordpress.com} Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt.   Hinterlasse einen […]

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